Anwendungsgebiet: Nachhaltige Leistungserbringung
 
Nachhaltigkeit im Alltag leben
 
Nachhaltigkeit im Stationsalltag lebbar und messbar machen

 

Der integrierte und partizipative „Nachhaltigkeitscheck" liefert rasch einen Überblick, inwieweit Nachhaltigkeit im Alltag von Stationen gelebt wird. Er bindet die MitarbeiterInnen ein und eröffnet neue Chancen für eine Verbesserung der Nachhaltigkeit durch anschlussfähige, lokale Maßnahmen.

 

Nachhaltigkeit muss in allen Einheiten und in den täglichen Abläufen des Krankenhauses gelebt werden

Die Führung bzw. das Management kann Nachhaltigkeitsziele und -strategien entscheiden und Ressourcen für deren Umsetzung bereitstellen. Das „nachhaltige Krankenhaus" kann aber nicht alleine von „Top down" verwirklicht oder angeordnet werden. Nachhaltigkeitsziele müssen täglich in den Prozessen und Routinen der einzelnen Einheiten, wie den Stationen, umgesetzt und von allen MitarbeiterInnen „mitgetragen" werden.

 

Der integrierte und partizipative „Nachhaltigkeitscheck" macht Nachhaltigkeit im Stationsalltag für MitarbeiterInnen erlebbar und für Führungsverantwortliche messbar

Zur Überprüfung inwieweit Nachhaltigkeitskriterien von Organisationen erfüllt werden, gibt es bereits eine Vielzahl von vorgeschlagenen Verfahren und Instrumenten. Viele dieser Instrumente legen den Schwerpunkt auf eine Dimension des „klassischen" Nachhaltigkeitsdreieckes also auf die Ökologie, das Soziale oder die Ökonomie. Keine dieser Instrumente hat einen „integrierten" Nachhaltigkeitsansatz, bei dem neben diesen drei Dimensionen auch die Gesundheitsförderung und die Qualität der Kernleistung in einem Krankenhaus berücksichtigt werden. Eine weitere „Unzulänglichkeit" bei dem vorhandenen Angebot an Instrumenten ist die Tatsache, dass der „Check" fast immer aus der Handlungs- und Verantwortungsperspektive des obersten Managements durchgeführt wird. Für viele Nachhaltigkeitskriterien macht diese Perspektive natürlich Sinn, inwieweit aber Nachhaltigkeitskriterien von MitarbeiterInnen in der täglichen Praxis umgesetzt werden bleibt dabei unbeleuchtet. So kann beispielsweise die Krankenhausverwaltung in jedem Stockwerk ein Mülltrennsystem aufgestellt haben, ob das von MitarbeiterInnen, PatientInnen oder BesucherInnen angenommen wird, bleibt bei einem reinen „Strukturcheck" unbeantwortet. Vor diesem Hintergrund wurde ein Selbstbewertungsverfahren für Krankenhausstationen zur Einschätzung der Nachhaltigkeit entwickelt und erprobt – der „Nachhaltigkeitscheck".

 

In das Verfahren sind zahlreiche MitarbeiterInnen direkt eingebunden. Sie können ihre Einschätzungen, Erfahrungen und Vorschläge einbringen. Der integrierte und partizipative „Nachhaltigkeitscheck" ermöglicht MitarbeiterInnen Mitsprache bei der nachhaltigen Gestaltung des Stationsalltags.

 

Für die Leitung zeigt der „Nachhaltigkeitscheck" rasch den aktuellen Handlungsbedarf auf. Das Verfahren verstärkt die Identifikation der MitarbeiterInnen mit den Nachhaltigkeitszielen des Hauses, fördert die Kommunikation zwischen Berufsgruppen und Hierarchie-ebenen und führt in der Regel zu schnell umsetzbaren und an den Stationsalltag „anschlussfähigen" Verbesserungsmaßnahmen.

 

Wie funktioniert der integrierte und partizipative „Nachhaltigkeitscheck"?

Es geht beim „Nachhaltigkeitscheck" um die Bestimmung des Umsetzungsgrads von Nachhaltigkeitskriterien in einem bestimmten Teilbereich, wie Krankenhausstationen. Also der Erhebung der Qualität von Nachhaltigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort im Krankenhaus.

Das Selbstbewertungsverfahren wird von einem (externen) Beauftragten durchgeführt. Anhand eines strukturierten Selbstbewertungsbogens werden Gruppeninterviews mit 3-4 Personen aus den auf der Station vertretenen Berufsgruppen (z.B. ÄrztInnen, Pflegekräfte, MTAs) durchgeführt. Die Interviews werden standardisiert ausgewertet und die Ergebnisse im Rahmen einer Konsenskonferenz auf der Station mit allen TeilnehmerInnen der Gruppeninterviews diskutiert. Dabei werden auch die Probleme gemeinsam priorisiert und konkrete Lösungsvorschläge gesammelt und festgehalten. Die Ergebnisse der Konsenskonferenz werden in einer Stakeholdersitzung der Stations- bzw. Abteilungsleitungen präsentiert. Zu dieser Sitzung können auch weitere Entscheidungsträger eingeladen werden, wenn die Umsetzung der Lösungsvorschläge in deren Verantwortungsbereich fällt.

 

Was sind die Stärken des integrierten und partizipativen „Nachhaltigkeits-check"?

  • Integrierter Check: Das Instrument „bündelt" alle Nachhaltigkeitsdimensionen was die Durchführung des Checks effizient macht. Es ermöglicht ein regelmäßiges „Screening" zur Qualität von Nachhaltigkeits-, Gesundheitsförderungs- und Kernkriterien auf Stationen.

  • Nutzung des „lokalen" Wissens: MitarbeiterInnen sind „lokale ExpertInnen" vor Ort die über Informationen und Wissen verfügen, inwieweit Nachhaltigkeitskriterien auf ihrer Station erfüllt werden.

  • Entwicklung von Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit: MitarbeiterInnen kennen nicht nur die spezifischen Probleme vor Ort, sondern auch sehr konkrete Verbesserungspotentiale und Handlungsräume der Station. Damit kann mit dem Selbstbewertungsverfahren auch ein rascher und effektiver Verbesserungsprozess gestartet werden.

  • Aufzeigen von Handlungsbedarf für Entscheidungsträger: Mit dem Check kann überprüft werden inwieweit Nachhaltigkeitsziele und –vorgaben der Führung auf der Stationsebene angekommen und sind und erfüllt werden.

  • Förderung des „Commitment" mit den Nachhaltigkeitszielen: Nicht zuletzt zeichnet sich dieses Evaluationsverfahren durch einen „starken" Interventionscharakter aus. Im Selbstbewertungsprozess ist je nach Größe der Station etwa die Hälfte der MitarbeiterInnen direkt involviert. Es zeigte sich, dass diese Partizipation das Interesse und Engagement der StationsmitarbeiterInnen für Nachhaltigkeitsaspekte weckt.